| Kapitel 6 |
| Die Betrachtung des Aufhörens (Nirodhânupassanâ) |
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Einer, der die Betrachtung des Aufhörens entfaltet, gibt das Hervorbringen auf. (Nirodhânupassanam bhâvento samudayam pajahati.) Die Bedeutung von Aufhören Aufhören (nirodha) kann auf dreifache Weise erklärt werden: I.) im Sinne der Person oder Wesenheit, welche aufhört; II.) als der Akt des Aufhörens; oder III.) als Zustand des Aufgehörthabens, d.h. die Beendigung der Kontinuität1. Wir wollen die Natur des Aufhörens in Beziehung zum vorliegenden Thema untersuchen. Der Ehrwürdige Ânanda, an der Seite des Buddha sitzend, stellte diesem folgende Frage: "Ehrwürdiger Herr, es wird oft gesagt 'Aufhören, Aufhören'. Welche Phänomene sind das, die aufhören sollen, wenn dieser Begriff 'Aufhören' verwendet wird?" "Ânanda, materielle Form ist unbeständig, bedingt, abhängig entstanden, Objekt der Zerstörung, des Zerfalls, des Zusammenbruchs, des Aufhörens. Wegen ihres Aufhörens wird das Wort 'Aufhören' benutzt. Gefühl ist unbeständig ... Wahrnehmung ist unbeständig ... geistige Gestaltungen sind unbeständig ... Bewusstsein ist unbeständig ... Wegen seines Aufhörens wird das Wort 'Aufhören' benutzt."2 So verweist der Begriff nirodha auf das Aufhören, die Beendigung, Auflösung und Einstellung der bedingten Gestaltungen, die in den fünf Anhäufungen enthalten sind. Dieses Aufhören geschieht in zwei Hauptetappen: 1. Die erste Etappe ist das gewöhnliche Aufhören von Gestaltungen, welches unaufhörlich geschieht, bedingt durch ihr stetiges Erscheinen. Dies ist der Begriff "zur stetigen Entstehung führendes Aufhören" (uppâda-nirodha). Wenn eine Anspielung auf das augenblickliche Aufhören der Phänomene vorliegt, wird es auch "zerstörendes Aufhören" (khaya-nirodha = Aufhören durch Zerstörung) genannt.3 2. Die zweite Etappe ist die Ausrottung der Gestaltungen ohne eine Neuentstehung (samuccheda-nirodha oder anuppâda-nirodha)4. Diese Etappe ist gleichbedeutend mit dem überweltlichen Pfad, wo Nibbâna als das letztendliche Aufhören (accanta-nirodha) oder das befreiende Aufhören (nissarana-nirodha) realisiert wird.5 In dieser Untersuchung der Betrachtung des Aufhörens wird viel von unserer Aufmerksamkeit dem augenblicklichen Aufhören der Gestaltungen gewidmet sein. Das letztendliche Aufhören, d.h. Aufhören ohne Neuentstehung, wird als spezielle Stufe behandelt, wenn die Betrachtung des Aufhörens ihre Vollendung erreicht. Das Erscheinen des Aufhörens Die Betrachtung des Aufhörens ist die wiederholte Untersuchung des Aufhörens von Gestaltungen mit Einsichtsweisheit6. Diese Betrachtung wird im Laufe der Einsichtsmeditation in verschiedenen Formen offenbar. Wir wollen zuerst durch eine Illustration erläutern, wie sie in ihrer elementarsten Form erscheint. Der Einsichtsmeditierende, der das Heben und Senken der Bauchdecke als Hauptmeditationsobjekt beobachtet, schärft allmählich seine Achtsamkeit und Konzentration. Indem er dies tut, wird er fähig, bei jedem einzelnen Anheben der Bauchdecke Anfang und Ende klar zu bemerken; er betrachtet ebenfalls aufmerksam, dass zwischen Anfang und Ende der Hebebewegung die Mitteletappe des Anhebens ist. Unmittelbar dem Ende der Hebebewegung folgend, beginnt die Senkbewegung, welche unmittelbar darauf aufhört, ständig gefolgt von einem anderen Anheben, welches ebenfalls schnell endet. Diesem folgt ein weiteres Senken. Durch kontinuierliches Betrachten dieses Prozesses mit einem konzentriertem Geist hat der Meditierende Erfolg in der Betrachtung der Unbeständigkeit. In dieser Phase der Meditation kann das präzise und unabgelenkte Beobachten der Endpunkte jedes Hebens und Senkens als anfängliche Form der Betrachtung des Aufhörens angesehen werden. Wenn der Meditierende seine Aufmerksamkeit weiter verfeinert, wird sein Einsichtswissen ihn befähigen, eine Anzahl aufeinanderfolgender "kleinerer Anhebungen" zu unterscheiden, die in einem ganzen Anheben der Bauchdecke zu finden sind. Jede dieser kleineren Hebungen hat ihr eigenes Entstehen und ihr eigenes Aufhören, was dem aufmerksamen Meditierenden nun klar wird. Ebenso kommen auch in jeder kompletten Senkbewegung der Bauchdecke eine Anzahl von aufeinanderfolgenden "kleineren Senkungen" vor, jede mit ihrem eigenen Entstehen und Aufhören. Auch diese unterscheidet der Meditierende. Allmählich wird der Meditierende fähig, in der selben Weise direkt das ununterbrochene Entstehen und Aufhören aller Objekte der sechs Sinnesfähigkeiten zu erkennen. Zum Beispiel da, wo vorher ein einziger einheitlicher Ton erkennbar war, nimmt er nun eine Serie getrennter Toneinheiten wahr, jede mit ihrem eigenen Entstehen und Aufhören. Auch bei Gedanken sind Entstehen und Vergehen in aufeinanderfolgenden Serien klar erkennbar. Wenn die Betrachtung der Unbeständigkeit tiefer und intensiver wird, dämmert auf diese Weise das Wissen vom Aufkommen und Untergehen der Phänomene herauf und kommt zur Reife, den Meditierenden befähigend, in jedem Moment klar zu erkennen, wie die ganze Erscheinungswelt dem Gesetz des augenblicklichen Entstehens und Aufhörens unterworfen ist. Zusammen mit der Betrachtung der Unbeständigkeit wächst und entfaltet sich gleichzeitig die Betrachtung des Aufhörens. Auf der nächsten Stufe der Einsichtsreifung kommt die Betrachtung des Aufhörens zum Vorschein. Nun wird das Aufhören der Gestaltungen auffälliger als ihre Entstehung. Der Meditierende wird klar verstehen, wie jede Gestaltung, die er bemerkt, sich unverzüglich nach ihrem Entstehen auflöst. Manchmal mag er den Eindruck bekommen, dass sich das Objekt schon aufgelöst hat, ehe er es bemerkt hat. Er beobachtet auch, wie der betrachtende Geist im Prozess des Bemerkens des sich auflösenden Objektes ebenfalls zerfällt. Der Meditierende könnte meinen, seine Achtsamkeit hätte nachgelassen, aber in Wirklichkeit ist es ein Zeichen von Fortschritt. Nun hat er das Wissen vom Aufkommen und Untergehen überschritten und das Auflösungswissen (bhanga-ñâna) erlangt. Auf dieser Stufe wird sich die gegenwärtig erscheinende augenblickliche Auflösung der Gestaltungen, mit anderen Worten ihr Aufhören durch Auflösung (khaya-nirodha), stark in den Geist des Meditierenden einprägen. Dies bildet ein intensives Stadium in der Betrachtung des Aufhörens.7 Durch folgerndes Wissen wird der Meditierende als nächstes realisieren, dass auch in der Vergangenheit die Gestaltungen unaufhörlich in genau der selben Weise Objekt der Auflösung waren und dass auch in der Zukunft dieses augenblickliche Aufhören unvermindert fortfahren wird8. Er realisiert weiter mit der Kraft der direkten Erkenntnis, dass dies die grundlegende Natur der Dinge ist, nicht nur in seinen eigenen fünf Anhäufungen, sondern in der ganzen dreifachen Welt. Demgemäß durchschaut er die äuáerst erschreckende Natur der Gestaltungen, wodurch das Wissen vom Sichtbarwerdenen des Schreckens (bhayat´upattâna-ñâna) entsteht. ähnlich vergegenwärtigt er sich auf unterschiedliche Art die in den Gestaltungen enthaltenen umfassenden Gefahren. Dies ist das Wissen von der Gefahr (âdînava-ñâna). Darauf aufbauend entfaltet er Abwendung gegenüber den Gestaltungen - das Wissen von der Abwendung (nibbidâ-ñâna). Es entsteht in ihm der innige Wunsch nach ewiger Beruhigung, dem Aufhalten dieser anhaltenden Gestaltungen, welche unablässig ihr Aufhören beibehalten9. Wenn der Meditierende das Aufhören direkt als die Auflösung der Gestaltungen realisiert, wendet sich dem zufolge durch folgerndes Wissen seine Aufmerksamkeit wiederholt dem Nibbâna als dem letztendlichen Aufhören zu. Dies kann als noch eine andere Variante der Betrachtung des Aufhörens angesehen werden10. Gemeinsam mit dieser Betrachtung wird der Wunsch nach Befreiung von den Gestaltungen stärker. So erreicht der Meditierende das Wissen von der Sehnsucht nach Befreiung (muñcitu-kamyatâ-ñâna).11 Zeitweilig kann das Hauptmeditationsobjekt des Meditierenden vollständig verschwinden. Die Person, die Achtsamkeit auf den Atem praktiziert, hört auf, den Atem zu fühlen. Jemand, der auf das Heben und Senken der Bauchdecke achtet, hört auf, die Hebe- und Senkbewegung in der Bauchregion zu spüren. Jemand, der seine Aufmerksamkeit auf die Sitzhaltung richtet, verliert das Gefühl für das Vorhandensein des Körpers. Gelegentlich könnte man auch fühlen, dass der Kopf oder ein anderes Körperteil verschwunden ist. Eine der verschiedenen Berührungsempfindungen des Körpers könnte aufhören, so dass kein Berührungsgefühl mehr wahrzunehmen ist. Wenn der Meditierende die Betrachtung der Elemente entfaltet und diese als Erde, Wasser, Feuer und Luft analysiert und unterteilt, kann er die Wahrnehmung seiner Körpergegenwart verlieren. Bei einigen hört die gesamte Wahrnehmung von materieller Form auf und lässt nur den Geistfluss als Objekt der Aufmerksamkeit zurück12. Das Betrachten des Aufhörens der Wahrnehmung der verschiedenen Teile der physischen Form kann als noch ein anderer Aspekt der Betrachtung des Aufhörens angeführt werden. Wenn sie die Wahrnehmung des Hauptmeditationsobjektes verlieren, werden manche Meditierende von Furcht überwältigt, während andere überzeugt sind, sie hätten die überweltliche Verwirklichung erreicht. Aber solche bizarre Erfahrungen sind nur zufällige Nebenprodukte, die eine Stufe des Einsichtsfortschritts auf weltlicher Ebene kennzeichnen. Wenn das Hauptmeditationsobjekt verschwindet, sollte sich der Meditierende weder von Furcht noch von Stolz beherrschen lassen. Statt dessen sollte er seine Aufmerksamkeit auf andere, für ihn noch klar erkennbare Objekte richten. Wenn keine Wahrnehmung von materieller Form möglich ist, sollte er seine Aufmerksamkeit auf seine gegenwärtig vorhandene Kontinuität des Bewusstseins lenken. Es ist möglich, dass, während er ein anderes Objekt betrachtet, sein voriges Meditationsobjekt wieder erscheint; in diesem Falle sollte er zu diesem vorigen Objekt zurückkehren. Wenn er aufhört, von den fünf Sinnestoren aus feststellbare Objekte wahrzunehmen und statt dessen nur die Kontinuität des Bewusstseins durch das Geistestor erfährt, sollte diese Bedingung als erhabene weltliche Stufe der Konzentration angesehen werden. Wenn sich die Konzentration des Meditierenden vertieft, zeigt sich ihm unmittelbar das Aufhören jedes Objektes der Sinneswahrnehmung. Er versteht, wie eine Gestaltung bei ihrem Aufhören, ohne eine Möglichkeit des Wiedererscheinens, für immer aufhört. Was nachfolgend erscheint, ist eine ganz neue Gestaltung, welche auch sofort völlig aufhört13. Durch Erzeugung dieser direkten Vergegenwärtigung der augenblicklichen Ausrottung jedes erkannten Objektes und ebenfalls jedes erkennenden Geisteszustands offenbart die Betrachtung des Aufhörens klar die Natur des Nicht-Selbst in Bezug auf alle Gestaltungen. Jetzt durchschaut der Meditierende die folgende Wahrheit: Wenn es so ist, dass alle auf die fünf Anhäufungen bezogenen Gestaltungen in einem Moment komplett aufhören, gefolgt vom Erscheinen neuer Gestaltungen im folgenden Moment, und wenn im darauf folgenden Moment auch diese vollständig aufhören, dann kann es keine Substanz in diesen fünf Anhäufungen geben; sie sind völlig ohne etwas, das man für ein wirklich existentes "Ich" halten könnte14. So realisiert er die Leerheit der Gestaltungen, welche gänzlich und komplett ohne die Natur eines Selbst sind.15 Ein erfahrener Meditierender wird erkennen, wie durch allmähliche Entfaltung des durch Betrachtung gewonnenen Einsichtswissens die in seinem Geist verwurzelten Befleckungen mittels Ersetzen durch das Gegenteil aufhören16. Wenn die wirkliche Natur der Gestaltungen immer mehr durch das Licht des Einsichtswissens enthüllt wird, löst sich die Dunkelheit der Unwissenheit auf, überwältigt vom Glanz der Weisheit. Man merzt die falsche Ansicht aus, dass es ein "Ich", eine Person in den fünf Anhäufungen gibt. Die Begierde endet, da man nicht länger geneigt ist, an den Gestaltungen als "Ich" oder "Mein" zu haften. Der Dünkel verschwindet, weil man kein "Ich" ergreift als Maßstab des Urteils über sich und andere. Der Zorn auf die Wesen und Personen, mit denen man normalerweise in Konflikt gerät, wird aufgegeben. Man sieht nun eher eine Ansammlung von Gestaltungen in ihnen, anstatt konkreter Individuen. Der Geist ist völlig gereinigt von der verkehrten Auffassung, dass die Welt der Gestaltungen beständig, angenehm und schön ist. Man verliert das tief verwurzelte Verlangen nach einer länger währenden Kontinuität des Gestaltungsflusses. Wenn der Meditierende sich vergegenwärtigt, dass diese Befleckungen - welche ihn im Kreislauf der Existenz festgehalten haben - durch Ersetzen durch das Gegenteil aufhören, wird er überzeugt, dass für ihn das Leiden des Samsâra nun abklingen wird. Durch Entfalten einer Einstellung von weiser Gelassenheit gegenüber den verschiedenen Gesichtspunkten des Leidens wie dem Alter, der Krankheit, dem körperlichen Schmerz und dem Tod kommt ihre quälende Natur zu einem Ende. Man ist nicht länger den Schlägen von Sorge, Jammer, Verzweiflung, Kummer, Stress, Frustration und ähnlichem Unglück ausgeliefert. Diese Masse von samsârischem Leiden, der man solange durch Haften an den fünf Anhäufungen unterworfen war, geht auch dahin durch Ersetzen durch das Gegenteil. Mit anderen Worten, der Meditierende erkennt, wie das Leiden aufhört, wenn der Kreislauf des bedingten Entstehens durch Aufhebung der Grundbefleckungen Unwissenheit und Gier ausgelöscht ist.17 Mit der Vervollkommnung der siebenunddreißig zur Erleuchtung führenden Erfordernisse (bodhi-pakkhiyâ-dhammâ) setzt ein gut geschärfter Prozess intensiver Einsichtsmeditation spontan ein. Dann erreicht die Betrachtung des Aufhörens ihre Vollendung auf einer unerwarteten, aber hervorragenden Stufe des Meditationsprozesses. Wenn man tief versunken ist in einer der drei Betrachtungen - der Unbeständigkeit, des Leidens oder des Nicht-Selbst - hört das Betrachtungsobjekt plötzlich total auf und für genau einen Moment, während man äußerst wachsam bleibt, lässt der Geist alle weltlichen Objekte los. Dann nimmt er sofort wieder das Meditationsobjekt auf und kehrt, große Freude empfindend, zur Einsichtsbetrachtung zurück. Was in diesem momentanen Wechsel im Bewusstsein stattfindet, ist das Öffnen des fleckenlosen und reinen Dhamma-Auges: "Was immer die Natur des Entstehens hat, all das hat die Natur des Aufhörens."18 Dies ist nichts anderes als das Erreichen des überweltlichen Pfades und Fruchtzustandes, welcher als Objekt die Realisierung des Nibbâna hat, das letztendliche Aufhören (accanta-nirodha) oder befreiendes Aufhören (nissarana-nirodha)19. In diesem Stadium vollendet man beim Durchdringen des Nibbâna als letztendlichem Aufhören das ausrottende Aufhören (anuppâda- oder samuccheda-nirodha) der Befleckungen in der Weise, dass sie in Zukunft niemals wieder erscheinen können.20 Das Aufgeben des Hervorbringens Es ist gesagt worden: "Die Betrachtung des Aufhörens gibt das Hervorbringen auf." In Anbetracht der Grundnatur dieser Betrachtung kann der Begriff "Hervorbringen" (samudaya) hier als Ausdruck der Idee des Hervorbringens oder der Geburt von Gestaltungen verwendet werden21, denn wenn die Betrachtung auf die augenblickliche Auflösung beschränkt ist, hört man auf, ihre Entstehung zu beachten. Wenn das weite Feld, welches von der Betrachtung des Aufhörens umfasst wird, in Betracht gezogen wird und wenn wir bedenken, dass der Begriff "Hervorbringung" eine von der Betrachtung beseitigte Befleckung bezeichnet, können wir folgern, dass die "Hervorbringung" hier eine noch tiefere Bedeutung ausdrückt. Und zwar kann er die Bedingung bezeichnen, die für das wiederholte Erscheinen von Gestaltungen in der Zukunft verantwortlich ist, d.h. die Befleckungen, speziell Gier. Diese Annahme wird gerechtfertigt mit der Begründung, dass die wiederholte Beobachtung des Aufhörens von Gestaltungen zur Abwendung und zur Desillusionierung ihnen gegenüber führt, was nachfolgend die Gier auf die weitere Verlängerung der Kontinuität der Gestaltungen auslöscht. Also kann festgestellt werden, dass in diesem Zusammenhang alle für die fortlaufend auftauchenden Gestaltungen verantwortlichen Befleckungen im Begriff Hervorbringung (samudaya) eingeschlossen sind.22 Der Patisambhidâmagga-Kommentar erklärt, während er die Betrachtung des Aufhörens als die Betrachtung des Aufhörens der Leidenschaft interpretiert, Hervorbringung als das zum Vorscheinkommen der Leidenschaft.23 Ob nun Leidenschaft (râga) als ein Begriff angesehen wird, der alle zur Entstehung gehörenden Befleckungen verkörpert, oder als ein Begriff für die Hauptbefleckung dieser Kategorie, es besteht Übereinstimmung mit der Interpretation des Begriffs, welche oben über die Bedeutung als Ursache für das anhaltende Entstehen von Gestaltungen im Kreislauf der Wiedergeburten gegeben wurde. Im Licht der umfassenden Interpretation der Betrachtung des Aufhörens und des Entstehens, soweit angeführt, wird diese Betrachtung als Verschmelzung aller drei Betrachtungen - der Unbeständigkeit, des Leidens und des Nicht-Selbst - erklärbar. Der Patisambhidâmagga sagt, dass alle diese drei Betrachtungen wirksam werden mit dem Auflösungswissen (bhanga-ñâna), welches eine wichtige Stufe in der Betrachtung des Aufhörens ist24. In der selben Arbeit, wo die Betrachtungen eingeteilt wurden nach der Art der Anhaftung, welche sie auslöschen, erscheint die Betrachtung des Aufhörens wieder als eine Verschmelzung aller drei Betrachtungen oder mindestens von zweien25. Aber in Anbetracht der Grundnatur der Betrachtung des Aufhörens als Aufmerksamkeit auf das Vergehen der Gestaltungen wäre es besser, sie hauptsächlich als eine Variante der Betrachtung der Unbeständigkeit zu behandeln. An vielen Stellen, wo die Betrachtungen der Unbeständigkeit, der Leidenschaftslosigkeit und des Aufhörens zusammen vorkommen, analysiert der Kommentar die letzten zwei mit identischen Begriffen. Er unterteilt Leidenschaftslosigkeit in Zerstörungsleidenschaftslosigkeit (khaya-virâga) und in letztendliche Leidenschaftslosigkeit (accanta-virâga), während er Aufhören in Zerstörungsaufhören (khaya-nirodha) und in letztendliches Aufhören (accanta-nirodha) einteilt. Der Kommentar erklärt hier, dass sich Zerstörungsleidenschaftslosigkeit und Zerstörungsaufhören beide auf die augenblickliche Auflösung der Gestaltungen beziehen, während letztendliche Leidenschaftslosigkeit und letztendliches Aufhören sich beide auf das Nibbâna beziehen26. Daher erscheinen diese zwei Betrachtungen identisch. Außerdem zeigen auch Leidenschaft und Hervorbringung (von Leiden), welche die zwei jeweils durch diese beiden Betrachtungen ausgelöschten Befleckungen sind, eine große Ähnlichkeit zwischen ihnen, da beide Synonyme für Begierde (tanhâ) sind. Trotzdem hat der Patisambhidâmagga- Kommentar versucht, einen Unterschied zwischen diesen beiden Betrachtungen zu zeigen. Bei der Erklärung zum Verzeichnis der Atemachtsamkeit (ânâpânasati-mâtikâ) sagt dieser Kommentar, dass die Betrachtung der Leidenschaftslosigkeit die zur Loslösung von den Gestaltungen befähigende Einsicht ist (d.h. hier die Leidenschaftslosigkeit durch Ersetzen durch das Gegenteil nachdrücklich betonend), währenddessen die Betrachtung des Aufhörens eine stärkere Vielfältigkeit der Einsicht ist, fähig, ein Aufhören der Befleckungen zu ermöglichen.27 In seiner erläuternden Bemerkung über das Verständniswissen (samma-sana-ñâna) sagt der selbe Kommentar, dass Leidenschaftslosigkeit die totale Überlegenheit über den existierenden Zustand ist, während das Aufhören das komplette und endgültige Auslöschen dieses Zustandes ist28. Was hier unter Leidenschaftslosigkeit verstanden wird, ist die vorübergehende Zerstörung der Phänomene (khaya-virâga). In diesem Licht betrachtet geht die Betrachtung des Aufhörens durch Zerstörung der Phänomene tiefer als die Betrachtung der Leidenschaftslosigkeit durch Zerstörung der Phänomene. Beim Beschreiben von Einsicht durch Atemachtsamkeit enthält der Patisambhidâmagga bei der Darlegung der Betrachtung des Aufhörens eine spezielle Analyse von der Lehre der bedingten Entstehung, nicht aber bei der Darlegung der Betrachtung der Leidenschaftslosigkeit. Laut Kommentar ist dies ein Anzeichen von Überlegenheit der ersten Betrachtung über die letztere.29 Der Patisambhidâmagga- Kommentar zeigt ferner, dass die Betrachtung des Aufhörens tiefer geht als die der Leidenschaftslosigkeit, weil die erste den Ursprung oder die Quelle der Leidenschaft ausrottet, während die letztere nur die Leidenschaft beseitigt. Sowohl die letztendliche Leidenschaftslosigkeit als auch das letztendliche Aufhören beziehen sich, wie vorher erwähnt, auf das Nibbâna. Wenn die Betrachtung der Leidenschaftslosigkeit als eine Variante der Betrachtung des Leidens angesehen wird und die Betrachtung des Aufhörens als eine Variante der Betrachtung der Unbeständigkeit, dann folgt daraus, dass die zwei Betrachtungen verschiedene Tore zur Befreiung (vimokkha-mukha) werden, da sie unterschiedliche Gesichtspunkte des Nibbâna enthüllen. Folglich schwenkt die letztendliche Leidenschaftslosigkeit in dem Moment, wenn die Betrachtung der Leidenschaftslosigkeit ihren Höhepunkt erreicht, auf dem Wege der wunschlosen Befreiung (d.h. Befreiung ohne ein Sehnen nach Vergnügen) zum Nibbâna ein; das letztendliche Aufhören dagegen schwenkt auf dem Wege der zeichenlosen Befreiung (d.h. Befreiung ohne ein bestimmtes Anzeichen von Beständigkeit in den Gestaltungen) im Moment des Höhepunktes der Betrachtung des Aufhörens zum Nibbâna ein.30 Praktisch gesprochen wird in der Einsichtsmeditation Leidenschaftslosigkeit sehr oft als Vergehen der Leidenschaft oder als Gleichmut erlebt, während das Aufhören häufig auf verschiedene Weise als das Aufhören der Gestaltungen realisiert wird. Die Achtsamkeit auf den Tod verlässt niemals den Meditierenden, der ernsthaft in der Betrachtung des Aufhörens engagiert ist. Darum befleißigt er sich mit wachsendem Eifer der Einsichtsmeditation in der Hoffnung, dabei das vernichtende Aufhören der Gestaltungen zu erreichen. *
* * "Mönche, durch die Entfaltung und Pflege der Betrachtung des Aufhörens kann man eine von zwei Früchten erwarten: entweder das endgültige Wissen der Arahantschaft noch in diesem Leben oder, wenn noch ein paar Befleckungen verbleiben, die Stufe des Nichtwiederkehrers."31 |