Mitteilung
Höchstehrwürdiger Pandita Kadawädduwe Sri Jinavamsa Mahâthera
Gründungs-Patron Sri Kalyâni Yogâsrama Association

So, o Herr, wenn auch viele verschiedene durch´s Auge wahrnehmbare Formen im Sichtbereich eines Mönches vorkommen, dessen Geist völlig befreit ist, so ... sieht er auch ihre Auflösung.

Mahâvagga (Vinaya I, 184)


Die Lebensgeschichte des Ehrwürdigen Sona Thera, eines bekannten Jüngers des Buddha, ist eine recht bunte im rechten Herangehen an die Meditationspraxis. Als Laie hatte Sona ein Leben in extremem Luxus. Er wurde in einem derartigen Komfort aufgezogen, dass, wie man sagt, Haare auf seinen Fußsohlen wuchsen. Er entsagte all diesem Luxus und trat in den Orden ein, aber obwohl er seine Meditationspraxis sehr energisch vorantrieb, konnte er die Heiligkeit nicht erreichen. Schließlich dachte er, er sei ungeeignet zum Mönchstum und entschloss sich, die Mönchsrobe abzulegen und ins häusliche Leben zurückzukehren.

Der Buddha erkannte seinen Entschluss und stattete ihm einen Besuch ab. Er lehrte den ehrwürdigen Sona das Gleichnis von der Laute. Gleichwie man eine Laute nur spielen kann, wenn deren Saiten weder zu straff noch zu locker, sondern in perfekter Balance sind, ebenso benötigt der spirituelle Fortschritt auf dem Pfad der Meditation eine sichere Balance der fünf spirituellen Fähigkeiten: von Vertrauen mit Weisheit und von Tatkraft mit Konzentration, die Achtsamkeit fungiert als Aufsicht. In Sonas Fall war die Fähigkeit der Tatkraft übermäßig und darum hatte seine Meditation keine weiteren Früchte erbracht.

Als er den Anweisungen des Buddhas folgte und seine Fähigkeiten in Harmonie brachte, erlangte der Ehrwürdige Sona die Heiligkeit. Nachdem er dieses Ziel erreicht hatte, kam er zum Meister und trug eine begeisterte Rede vor, in welcher er die Natur des Geistes eines Heiligen beschrieb. Das Epigramm am Beginn dieser Mitteilung ist Teil dieser Beschreibung. Es zeigt auf, wie der Geist eines Heiligen auf Sinnesobjekte reagiert. Weil der Heilige die Auflösung aller Sinnesobjekte sieht, kann keines davon in seinem Geist Fuß fassen.

Wir wollen unseren eigenen Geist auch zu diesem erhabenen Niveau entwickeln. Dieses wird uns befreien von den Belastungen und Leiden des Lebens und uns schließlich befähigen, wahre Erlösung und Herzensfrieden zu erfahren. Wir haben genug Zeit damit verbracht, traurig durch den Kreislauf von Geburt und Tod zu wandern, den Geist beladen mit all den nutzlosen Sinnesobjekten, die von den Unreinheiten begehrt wurden, gerade so, wie ein Händler seine Karawane mit Waren belädt. Wir wollen uns nun darauf vorbereiten, diese Last abzuwerfen. Wir sollten danach streben, durch Befolgen des Pfades den Bereich der Edlen zu erreichen, unseren Geist von der schweren Last der hinderlichen Leidenschaften und der Wünsche zu befreien. Das ist die Frucht der Meditation.

Wenn wir uns selbst kontinuierlich bei unserem Marsch zum Frieden, unserem “Pilgerprozess”, engagieren, werden wir uns beim Schauen auf unser Vorwärtsmarschieren freuen können. Wir sollten an keinerlei Leiden festhalten, sondern danach streben, alles Leiden durch totale Ausrottung abzuwerfen. Obwohl wir noch immer von Leid umgeben sein mögen, können wir zufrieden sein, dass wir allmählich vorankommen auf den Zustand zu, in welchem es kein Leiden mehr gibt, indem wir das Leid entlang des Weges abwerfen. Wir wollen uns ständig dieses “Pilgerfortschrittes” bewusst sein, denn das wird uns sicher führen bis zum Erreichen unseres Lebenszwecks.

Eine leuchtende Lampe, wo immer sie auch steht, vetreibt die Dunkelheit und verbreitet Licht, alle Objekte in ihrer Reichweite beleuchtend. Ein Platzwechsel macht keinen Unterschied, denn die Lampe scheint überall gleich und benachteiligt nicht eine dunkle Stelle gegenüber einer anderen. Wir wollen wie unauslöschbare Lampen sein. Zuerst müssen wir uns selbst erleuchten durch die Verwirklichung des entgültigen Segens des unauslöschbaren Lichtes. Dann sollten wir aus Mitgefühl diese wunderbare Erreichung für so viele Wesen wie möglich zugänglich machen. Lasst unseren Pilgerfortschritt mit diesem zweifachen Ziel im Auge weitergehen von Licht zu Licht.

In Übereinstimmung mit dieser buddhistischen Tugend des Mitgefühls und unter der gütigen Anleitung unseres hochverehrten Oberlehrers, des Höchstehrwürdigen Ñânârâma Mahâthera, hat einer seiner ergebensten Schüler dieses Buch über die sieben Einsichtsbetrachtungen zusammen gestellt. Ich hoffe und wünsche, dass dieses Buch als ein Licht für viele Pilger auf ihrer Reise zum Ziel hin dienen wird.

Möge die Lehre korrekt verstanden werden!

Kadawädduwe Jinavamsa Thera

Gunawardhana Yogâsrama Centre
Galduwa, Kahawa
Sri Lanka