home

Und bei uns?



"Mahabodhi" vom Juli 2475/1931 bringt einen Bericht über die Eröffnungsfeier des Ananda Vihara in Bombay. Aus der Ansprache des Vorsitzenden Mr. Jayakar ist bemerkenswert: "Ein Vihara bedeutet einen Platz, an dem religiöses Leben ungezwungen weilt ("sportively dwells"). Ungezwungen in dem Sinne, dass da keine Bindung durch Verträge, Sekten oder Glaubensbekenntnisse bestehen. Die Tatsache, dass er in dem Herzen einer Hauptstadt wie Bombay liegt, ist für den überanstrengten und ermüdeten Menschen des Alltags von besonderer Bedeutung und Wichtigkeit. Ist ein Vihara für ihn doch eine Einrichtung, wo er Trost und Ruhe finden kann. Die Größe des Buddhismus liegt in der Tatsache, dass er ohne Opferung auch nur eines einzigen lebenden Wesens, ohne auch nur einen Tropfen Blut zu vergießen, seine Ausbreitung fand und findet. Die drei großen Züge des Buddhismus, die bei den Menschen so starke Anziehungskraft ausüben, sind die Einfachheit, sein Begriff vom Leben, dass es eine Gabe für jedes lebende Wesen, ob Mensch oder Tier etc., zum Zweck der Selbstbestimmung und Selbstentwicklung ist und drittens seine Freiheit von allem Ritualismus und Aberglauben. Diese drei Züge machen ihn einfach, zugänglich und praktisch . . .". Mr. J. sprach die Hoffnung aus, dass der Ananda Vihara in Bombay gleich den alten Viharas dazu beitragen möge, in den Menschen die Erkenntnis der Verwandtschaft von Mensch zu Mensch und Leben zu Leben zu wecken. Er hofft, dass er dazu mithelfen wird, die Sektiererei zu beseitigen und wirkliche Einigkeit und Harmonie zu schaffen.

Warum können nicht in Deutschland in solchem Sinne Zusammenkünfte stattfinden? Warum müssen sich die Handvoll Menschen, die sich Buddhisten nennen, doch eigentlich bar jeglichen buddhistischen Geistes, ihr bisschen Lebenskraft in weltlich all zu weltlichen Dingen und Fragen oder in rechthaberischen Streitereien und klagenden und anklagenden Bekenntnissen und Selbstbekenntnissen, die doch nichts weiter sind, als der Beweis, dass die Hemmungen und Fesselungen des Geistes nicht erkannt und darum nicht beseitigt sind, verzehren? Aufhebung des Leidens ist der Wesenskern des Dhamma. Hilft das Sichklammern an so vergängliches und nichtiges, so unwürdiges und entwürdigendes menschliches Tun, Leiden aufheben, lehrt nicht jeden jeder Versuch, auf diese Weise das Ziel zu erreichen, das Gegenteil? Man braucht doch gern das Wort: Deutsch sein, heißt frei sein. Warum lernt man nicht die wirkliche Freiheit, die Freiheit von sich selbst erlangen? Frei werden von dem erniedrigenden und verwirrenden Weltkampf, von dem Tummelplatz irrender und irregeführter Gefühle und Wallungen? Was nutzt denn alle Gelehrsamkeit und alles Pochen auf Vermächtnisse und Testamente, Urkunden und Versprechungen? Zeugnis eines hilflosen, unfreien, selbstgebundenen, ängstlichen, von "Tanha" und "Mara" umschmeichelten Geistes sind sie. Warum das neidvolle und neidische sich in den Weg stellen? Das Rad der Lehre ist in Uruvela in Bewegung gesetzt. Wer den Blick dahin richtet, kann nicht fehl gehen. Nicht darauf kommt es an, dass dieser oder jener für sich den Anspruch erhebt, das Rad der Lehre hier in Bewegung gesetzt zu haben, aber darauf kommt es an, dass er weiß, dass er für sich das Rad der Lehre in Bewegung gesetzt hat. Dann rollt es die Bahn der Erkenntnis vom Fassen zum Lassen und damit zur Aufhebung allen Leidens.



zurück